DEFTONES, FANOE
Location: Volkshaus, Zürich 23.06.2010
NuMetal wollte irgendwie nie passen als Schublade für die Deftones, sie machten zwar vieles irgendwie in diese Richtung, versanken aber nie in dem selben ekligen Sumpf wie andere Vertreter dieser erfreulich ausgerotteten Krankheit. Statt dessen spielten sie anspruchvolle und angenehm atmosphärische Rockmusik, welche immer recht eigenständig blieb. Besonders die Alben der Mittelphase um "White Pony" erfreuen sich immer noch steter Beliebtheit, was allerdings später durch bandinterne Querelen und diverse Seitenprojekte etwas ausfranste. Zwar brachten sie immer noch Qualität an den Mann, jedoch nie mehr mit der gleichen Originalität, welche man ihnen früher zugeschrieben hatte. Ein aufrüttelnder Moment aber für die Band, der sie wieder zusammenschweisste, war der Autounfall des Bassisten Chi Cheng im November 2008. Um die teure Betreung des seither im Koma liegenden Freundes zu gewährleisten, spielten sie einige Shows und wurden sehr viel direkter mit wirklich essentiellen Problemen konfrontiert. Die Veröffentlichung des Langzeitprojekts "Eros" wurde verschoben bis Chi aus dem Koma wieder erwacht, dazwischen brachten sie aber etwas zu Stande, das sie lange nicht mehr schafften, ein schnelles Album. "Diamond Eyes" war hochgradig erfolgreich, sowohl kommerziell wie auch bei den Kritiken, das auch unter Mithilfe vom Aushilfsbassisten und ehemaligen Quicksand-Mitglieds Sergio Vega. Schon nur deshalb konnte man doch irgendwie eine veränderte Band erwarten an diesem schönen Abend in Zürich.

Bevor man sich an den alten Bekannten aus Sacramento erfreuen konnte, wurde man aber mit der lokalen Vorband Fanoe konfrontiert. Diese stellt wohl schon viel mehr ein Überbleibsel dieser dunklen 90er-Welle dar, die man schon als erfolgreich verdrängt glaubte. Mit einer schicken Aufmachung machten sie auf sich aufmerksam, mit uninspirierter Rockmusik vergraulten sie viele wieder. Irgendwo zwischen Placebo und NuMetal brachten sie wenig zu stande, unspektakuläre Songs, die immer mit diesem antiquierten Rockstar-Image liebäugelten. Verzichtbar.

Enorm pünktlich um neun Uhr begann dann der Headliner aus Übersee. Die aktuelle Single "Diamond Eyes" machte gleich zu Beginn klar, dass diese Band immer noch eine Gegenwart und nicht nur eine Vergangenheit besitzt. Hier fiel besonders auch gleich die energetische Performance des Sängers Chino Moreno auf, wie man sie schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Nichts mehr hier von kindischem Getue, körperlichem Zerfall und Unlust. Vielmehr sah man hier eine entschlackte und sehr fokussierte Darbietung. Das Podest in der Mitte der Bühne deutete es schon an, auf wem der Fokus dieses Konzerts liegt, wodurch die Band beinahe etwas unverdient in den Hintergrund gedrängt wird. Aber sie sind alle in Form, besonders halt auch die Primadonna Chino, der mit einer makellosen Sangesleistung glänzte, besonders der saubere Gesang war beeindruckend. Das Set war dann auch eine gesunde Auseinandersetzung mit dem Bandkatalog, relativ gleichmässig brachten sie Songs von allen Alben, sogar die grossen von "Adrenaline". Überraschend war lediglich, dass "Pink Maggit" nicht gespielt wurde und "Saturday Night Wrist" kam aber auch nur dünn weg. Grosse Songs, besonders der König "Passenger", äusserst tight dargeboten, ohne unnötigen Rockstar-Scheiss und effekthascherische Bühnenshow. Auch auf Unnötiges wie eine Zugabe verzichteten sie, gute 90 Minuten ohne Langeweile sind da klar besser. Am Schluss war die Begeisterung beim erstaunlich alten Publikum im anständig gefüllten Volkshaus gross, denn die Deftones sind so gut wie eh und je. Ein starker Abend!

by reto
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