CARNIFEX, SUFFOKATE, VEIL OF MAYA, HERE COMES THE KRAKEN, MYCELIA, PROMETHEE
Location: Werk 21, Zürich 17.06.2010
Es war eines der härtesten Line-Ups, welches wohl je im Werk 21 angekündigt war. - Und es sollte eine der härtesten Shows werden. Mit CARNIFEX, VEIL OF MAYA, HERE COMES THE KRAKEN und SUFFOKATE war die Crème de la Crème des aktuellen Deathcore-Booms vor Ort. Unterstützt wurden sie von den Schweizer Überfliegern PROMETHEE aus Genf, welche soeben einen umjubelten Auftritt am Greenfield absolvierten, sowie MYCELIA, der heissesten Schweizer Neuentdeckung im Bereich Tech-Metal.
Kein Wunder also, war das ganze 30 Minuten nach Türöffnung bereits restlos ausverkauft. Kein Platz, grosse Hitze und Bands, die erwartungsgemäss eine Schlacht im Moshpit auslösen würden, versprachen eine explosive Mischung.

Schon vor dem Beginn kam der erste Dämpfer: CARNIFEX mussten bereits am nächsten Morgen um 10 Uhr in Frankreich am Hellfest sein, was den Tourmanager offenbar in seiner Reiseplanung überforderte. So erklärte er dem Veranstalter, dass CARNIFEX als erste Band spielen würden und dann sofort verschwinden würden. Was das bedeutete war sofort klar: Unzählige Leute, die teilweise extra von weit her anreisten um CARNIFEX als (vermeintlichen) Headliner zu sehen, würden bei ihrer Ankunft feststellen müssen, dass ihre Lieblingsband bereits gespielt hatte.... Wieso die Booking-Agency so was nicht wenigstens im Voraus mitteilen könnte, so dass das Publikum informiert werden könnte, wird wohl auf immer ihr Geheimnis bleiben.
Entsprechend schlecht war denn auch der Auftritt. Der Raum war noch praktisch leer, CARNIFEX entschuldigten sich halbherzig dafür, dass sie bereits an der Reihe waren und spielten ansonsten betont uninspiriert ihr Set herunter. Einzig bei "Lie To Me" kam unter den wenigen Anwesenden kurz so was wie Stimmung als man zusammen "What The Fuck" schreien durfte. Davon abgesehen ein Auftritt zum Vergessen.

Verkehrte Welt, schien es danach zu heissen. Während CARNIFEX bereits wieder ihren Van bestiegen, waren die letzten Anhänger PROMETHEE eben erst angekommen und füllten gerade noch Rechtzeitig zum Auftritt den Saal. Während die einen, global gefeierte Superstars der Szene, sich bezüglich Engagement und Leidenschaft von ihrer schlechtesten Seite zeigten, zerlegten die jungen Newcomer aus Genf mit nichts als einer Demo-CD, das Werk und die Besucher!
Offenbar hatte es tatsächlich einige Leute, die nur wegen ihrem Auftritt am Greenfield überhaupt nach Zürich kamen. Auf die entsprechende Anfrage des Sängers gingen einige Hände in die Höh. Der grosse Anteil des Besucher bestand aber aus dem Metal/HC-Untergrund aus der ganzen Schweiz, vom Genfer- bis zum Bodensee. Also den Leuten, die am Anfang des senkrechten Aufstieg der jungen Ausnahmetalente standen, der sie jetzt bis auf die Hauptbühne des Greenfields und vor mehr als 10'000 Zuschauer brachte. Zur Erinnerung: Mit nichts als einer Demo-CD im Gepäck!
Die fünf Songs dieser CD standen denn auch im Mittelpunkt des Konzerts. Jeder einzelne von ihnen wurde vom Publikum praktisch Wort für Wort mitgesungen. Bei den Sing-A-Long Parts von "Sink Or Swim" oder "Ashes" türmte sich das Publikum vor Sänger Josh zu riesigen Pile-Ons. Dazwischen wurde kräftig kopfgeschüttelt, und 2step-Tänzchen aufgeführt. Bis... ja bis zu den Breakdowns. Ab da wurde es teilweise grenzwertig. Das Werk war nun bereits nahezu voll, ausweichen also unmöglich. Entsprechend knallten Fäuste, Füsse und Stagediver aus allen Richtungen auf einen nieder. Der Pit war so extrem hart, dass es einigen zu viel wurde. Gerade weil es ein gemischtes Publikum war, von Straight-Edge HC-Kids bis zu älteren Metallern im Vader-Shirt, gab es auch wieder "Inter-kulturelle Verständigungsprobleme". Aber auch viele Frauen gingen einige Schritte zurück, so dass das Gedränge gegen den Ausgang hin immer extremer wurde.
All dies soll den Auftritt von PROMETHEE jedoch in keiner Weise schmälern, im Gegenteil. Auch wenn leider ein paar Wenige keinerlei Grenzen kannten, so war doch auch der Pit schlussendlich nur Ausdruck für die ungeheure Energie, die diese Band entfacht. PROMETHEE räumten ab und hinterliessen nur verbrannte Erde. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihre Krankenkasse oder schlagen Sie den, der neben Ihnen steht.
(DaNi)

MYCELIA waren als nächstes an der Reihe. Die Band aus Zürich hatten heute im Werk 21 ihren ersten Auftritt und man war gespannt. Die beiden siebensaitigen Gitarren und der sechssaitige Bass wiesen auf jeden Fall schon einmal darauf hin, dass die Musiker schon einiges an Erfahrung auf die Bühne bringen.
Djentcore war angesagt. Eine Mischung, die hauptsächlich auf den wegweisenden Klängen von MESHUGGAH basiert mit einer Prise Metalcore. Dazu vertrackte Rhythmen, die von den Musiker ein abnormales Taktgefühl verlangen. Auf jeden Fall wurde von dem Publikum mit der komplexesten Band des Abends so einiges abverlangt, sich in diesem Irrgarten zurechtzufinden. Moshige Rohkost suchte man hier nämlich ausnahmsweise fast vergebens.
Nach einigen Songs war das erste Vorspielen vor grösserem Publikum dann auch überstanden und man darf ohne Bedenken sagen: MYCELIA haben, wenn sie auf solch hohem, komplexem Niveau, weiterfahren, eine grosse Zukunft vor sich!

HERE COMES THE KRAKEN stammen aus Mexiko und haben sich in Europa schon einen Namen gemacht. Die Band tourte letzten Herbst durch Europa und waren nun – erweitert durch einen DJ – wieder zurück in Europa. Deathcore mit DJ? Auch wenn es sich noch so experimentell anhören mag, so haben sich die Jungs entschlossen, in Zukunft auf Nu-Metal zu setzen. Bei diesem Auftritt blieb man noch ziemlich verschont von der neuen Kost – die wenigen Songs die auf die neue Richtung lösten dann auch bei vielen ein Deja-Vu mit längst vergangen Zeiten aus. Die bekannten, „älteren“ Songs der Band zündeten dann aber ebenfalls richtig und lösten so einiges an Bewegung im Publikum. Cooler Auftritt der Band, auch wenn der letztjährige Auftritt in Langenthal um Längen besser war.

Mit VEIL OF MAYA spielt ein viel erwarteter Act zum ersten Mal in der Schweiz. Einmal mehr wurde es wieder sehr melodiös und technisch. Was vor allem erstaunt ist, dass die Band nur zu viert unterwegs ist und gerade mal über einen Gitarristen verfügt. Was dieser dann live liefert ist also eine absoluten Feuerwerk an Kreativität an Riffs und harten Moshsequenzen und ersetzt quasi eine ganze Horde von Gitarristen.
Auch wenn der Sound auf CD noch so komplex anmutet, so schafft es die Band, den Sound live elegant an das Publikum zu verkaufen, ohne dass sich dieses zu überfordert fühlt. VEIL OF MAYA haben dem Abend die Latte wirklich hochgesetzt und konnten durch Kompetenz im Songwriting und deren Umsetzung auf der Bühne sicherlich viele Leute überzeugen. Top!

Wegen den langen Umbaupausen haben die beiden Reviewer leider SUFFOKATE verpasst. Scheisse!
(Ricky)

by Pitfire
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